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Tags: Vorstellung | Tissot | Herren | klassich | formell | traditionell
9.1.2026 | 4 MIN
Das Tor zur Welt der ersten Automatikuhren. Diesen Titel trugen bis vor Kurzem zu Recht vor allem die Japaner. Der Schweizer Hersteller Tissot hat jedoch etwas vorgestellt, das die Karten neu gemischt und ein völlig neues Spiel eröffnet hat. Warum sind die Tissot Classic Dream Powermatic 80 eigentlich so gut?

Die Classic Dream sind keine Neuheit und im Tissot-Portfolio, soweit ich mich erinnere, schon seit Jahren vertreten. Ihr Ruf war allerdings eher so ... na ja. Die Quarzversionen störten niemanden (begeisterten aber wohl auch kaum), die Automatik‑Modelle hingegen konnten manchen Uhrenfan schon vergrätzen. Das ursprüngliche Werk heißt nämlich Swissmatic und hat eine leicht kontroverse Stellung.
Das Swissmatic‑Werk basiert im Grunde auf der Technologie der Swatch Sistem 51. Es besitzt jedoch einige Komponenten aus Metall statt ausschließlich aus synthetischem Material, am auffälligsten ist der Metallrotor. Es ist ein sehr nüchternes, auf Effizienz ausgelegtes Werk, das vollständig maschinell gefertigt wird und – wichtig – ein Einweg-Werk ist. Bei einem Defekt tauscht Tissot es einfach gegen ein anderes aus. Und es hat keinen Sekundenstopp (Hacking Seconds).
Das starke Argument des Swissmatic war zweifellos die Preisgestaltung und damit eine gewisse Wettbewerbsfähigkeit gegenüber japanischen Automatikuhren (auch wenn es an diese nie ganz heranreichte – schaut euch auf Bambino oder Tsuyosa an ...).
Und dann, Ende 2025, brachte Tissot die Classic Dream erneut heraus. Und besser. Viel besser.

Swissmatic wurde abgelöst, und die Classic Dream erhielten ein um einige Klassen besseres Werk: den Powermatic 80. Und mehr noch – sie sind sogar noch günstiger! Und auch dünner, kleiner, besser verarbeitet, schöner ... kurz: Hier passt alles. Erst jetzt können wir mit gutem Gewissen sagen, dass Tissot eine hervorragende Wahl ist, wenn ihr eure erste wirklich erschwingliche und zuverlässige Automatikuhr sucht.
Man hätte es kommen sehen können. Vor ein paar Jahren erlebten zum Beispiel die Gentleman‑Modelle ein ähnliches Upgrade. Sie erhielten jedoch weder einen derart attraktiven Preis noch eine so deutliche Steigerung in der Verarbeitung gegenüber der vorherigen Version.
Die Classic Dream haben nun zeitgemäße 40 mm Durchmesser, was zum eleganten, dressigen Design deutlich besser passt als 42 mm. Am Handgelenk wirkt das Modell ausgewogen – wohl dank stimmiger Proportionen und gelungener Konstruktion (die Höhe liegt bei lediglich 10,23 mm). Tissot lässt dem schlichten Sunburst‑Zifferblatt zudem viel Raum zum Atmen, und die Lünette besteht nur aus einem schmalen Edelstahlring.

Zu den Pluspunkten zählen außerdem die erhöhte Wasserdichtigkeit von 50 m, selbstverständlich Saphirglas und eine große Auswahl an Zifferblattfarben und Legierungen (PVD). Neben Stahl gibt es Gelbgold-, Roségold- und Bicolor-Varianten sowie blaue, silberne und schwarze Sunburst-Zifferblätter – die Auswahl ist groß. Jedes Modell ist wahlweise am Lederband oder Edelstahlband erhältlich.
Sehr gelungen wirken auch die scharf facettierten, applizierten Indexe und die Dauphine‑Zeiger. Gestalterisch haben wir es hier mit einer hervorragenden Dresswatch zu tun, die gleichzeitig alltagstauglich ist – noch attraktiver wird sie durch das (für den Preis) beeindruckend präzise mechanische Werk mit hoher Gangreserve.

In der Regel gilt: Wer weniger als ca. 600 € für eine Automatikuhr ausgeben will, muss bei der Präzision gewisse Kompromisse eingehen. Schaut man auf die üblichen Marken aus Japan, die diesen Markt dominieren – Seiko, Citizen und Orient –, dann weiß man, dass die Genauigkeit ihrer Werke im Bereich von ±20 bis ±40 Sekunden pro Tag liegt. So ist es nun einmal.

Mechanische Uhren großer Schweizer Marken gibt es zu so niedrigen Preisen kaum (Basismodelle liegen eher bei ca. 800 €; bei günstigeren findet man höchstens etwas mit Sellita SW‑200, deren angegebene Basisgenauigkeit bei ±12 bis ±30 Sekunden pro Tag liegt).
Bei den Tissot Classic Dream steckt jedoch ein Werk mit 80 Stunden Gangreserve, einer antimagnetischen Nivachron‑Spirale und einer angegebenen, beeindruckenden Genauigkeit von -4 bis +10 Sekunden pro Tag ... Der Durchschnitt liegt damit bei nur ±7 Sekunden pro Tag – das kratzt bereits am COSC‑Niveau.

Über Veredelung oder Dekoration muss man bei diesem Werk kaum sprechen – Tissot hat es daher klugerweise mit einem massiven, geschlossenen Boden verdeckt, dessen freie Fläche geradezu zu einer persönlichen Gravur einlädt.
Wie kann es sein, dass wir hier so günstige Schweizer Uhren sehen – ohne technische oder gestalterische Abstriche? Das wirkt fast schon absurd.
Die Antwort kennt wohl nur das Tissot‑Management. Angesichts des starken Preisanstiegs in der gesamten Schweizer Uhrenindustrie als Reaktion auf den 39 % Zoll, den Präsident Trump auf US‑Importe von in der Schweiz hergestellten Waren erhob, hat Tissot möglicherweise bewusst einen anderen Ansatz gewählt. Wer weiß.
Was meint ihr? Habt ihr sie schon anprobiert?
Bildquellen: Offizielle Herstellerfotos, Monochrome Watches
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