Maurice Lacroix Aikon AI6008 im Test – Ikone mit integriertem Armband

Tags: Bewertungen | Maurice Lacroix | Herren | klassich

27.11.2025

Der Aikon ist ein Begriff. Nicht ohne Grund handelt es sich um die bekannteste Linie der Marke Maurice Lacroix – dieses Design sorgt nämlich für viel Aufmerksamkeit. Verdient? Die Antwort liefert ein gründlicher Blick auf das Dreizeiger-Modell Maurice Lacroix Aikon AI6008.

Erste Eindrücke

Wer mich kennt, weiß, dass ich Uhren mit einem Durchmesser über 40 mm ohne Krone nicht mag, und so hatte ich massive Vorbehalte, noch bevor die getesteten Aikons mit 42 mm Durchmesser überhaupt bei mir ankamen.

Ehrlich? Vielleicht sollte ich meine Meinung überdenken. Meist stört mich bei größeren Uhren das Spacing, also der Abstand bzw. die Proportionen zwischen den einzelnen Elementen, der oft übertrieben und etwas geschmacklos wirkt. Deshalb habe ich übrigens nichts gegen Durchmesser über 40 mm bei Chronographen oder anderen komplizierteren Uhren. Die Aikons wirken aus irgendeinem Grund jedoch ausgewogen, obwohl sie größer sind. Schauen wir uns die Details an.

Zifferblatt

Obwohl es am Aikon mehrere interessante Elemente gibt, erscheint mir das Zifferblatt als unterschätzter, dennoch äußerst spannender Teil der Uhr. Es hat einen geradezu magischen Effekt. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich beim Tragen im Freien oder jetzt beim Schreiben der Rezension minutenlang darauf verweile – ganz ohne Hilfsmittel.

Der Ziffergrund besteht aus kleinen dicht aneinanderliegenden Pyramiden, die beim Kippen des Handgelenks sehr schöne Effekte erzeugen. Selbst bei der hier getesteten konservativeren Version (ich hatte die Variante mit schwarzem Zifferblatt) wirken die Uhren im direkten Licht, aber auch im Schatten sehr lebendig, und sie „tanzen“ je nach Blickwinkel.

Am Zifferblattrand finden sich applizierte Indizes, an den Positionen 3, 6, 9 und 12 doppelt ausgeführt. Alle Indizes sind über die gesamte Länge mit Leuchtmasse belegt, und eine angenehme Überraschung ist der Index bei drei Uhr. Warum? Weil wir ihn trotz Datumsfenster nicht verlieren.

Er ist zwar verkürzt, aber weiterhin doppelt und mit Leuchtmasse – das gefällt mir sehr. Auf diesen Index müssen wir leider bei der 39-mm-Version mit Automatikaufzug verzichten. Am ausgewogensten erscheinen mir daher die mechanischen Chronographen, die verkürzte Indizes bei 3, 6, 9 und 12 Uhr haben und nachts dadurch symmetrisch wirken.

Auf dem Zifferblatt finden sich außerdem das applizierte Logo mit dem Markennamen Maurice Lacroix unter zwölf Uhr, bei sechs Uhr der obligatorische Schriftzug SWISS MADE und zwischen dem Index bei sechs und den Zeigern der Schriftzug AUTOMATIC. Die Aikons gibt es nämlich sowohl in mechanischer als auch in Quarz-Ausführung, und dieser Schriftzug ist eines der Unterscheidungsmerkmale für den Werkstyp.

Ein weiteres Indiz kann das pyramidenförmige Zifferblatt sein, das nur die Automatikwerke haben, während die Quarzwerke ein glattes, strukturloses Zifferblatt besitzen.

Gefallen hat mir auch, dass die Datumsscheibe, die dezent von einem Rahmen eingefasst ist, in Zifferblattfarbe Schwarz gehalten ist. Das ist zwar nicht bei allen Varianten so, aber bei der getesteten Version verschwindet das Datum optisch und ist nur zu sehen, wenn ich es sehen will.

Nicht vergessen darf ich die Zeiger in Schwertform, die mit Leuchtmasse gefüllt sind. Bedauerlich ist das Fehlen von Leuchtmasse auf dem Sekundenzeiger, aber angesichts des sportlich-eleganten Stils der Uhr kann ich den Aikons das gelassen verzeihen.

Gehäuse

Das wohl markanteste Element der Aikons ist das Gehäuse, genauer die Lünette. Dank ihr erkennt man Aikons aus großer Entfernung praktisch sofort.

Die Lünette ist rund und nicht drehbar; auf jeder zweiten Stundenposition sitzen doppelte Lünettenreiter. Für mich hat das keinen praktischen Nutzen, aber optisch ist es ein Knaller.

Die Reiter sind poliert, der Rest der Lünette ist satiniert, was die Reiter stark betont. Seitlich ist die Lünette poliert, um sich optisch etwas vom übrigen satinierten Gehäuse abzuheben.

Das Gehäuse hat angenehm kurze, abfallende Hörner und schmiegt sich schön ans Handgelenk. Die Krone ist signiert und – für die Nervösen unter uns – verschraubt, sodass niemand befürchten muss, unter Wasser versehentlich die Krone zu ziehen und Wasser in die Uhr zu bekommen.

2 325,00 € (lieferung bis 9.12.)

Das hat aber auch Nachteile. Ich empfehle, die Krone nicht mit Gewalt zu verschrauben, da das Gewinde beschädigt werden kann – dann müsste die Uhr zum Uhrmacher. Das passiert im Alltag zwar selten, aber wenn man wie ich mit zwei linken Händen geboren ist, kann es vorkommen. Übrigens: Auch wenn die Aikons keine Taucheruhren sind, sind sie bis 20 ATM wasserdicht, und ich würde mich mit ihnen auch ans Gerätetauchen wagen.

Zum Schluss der Boden: Er ist nicht als klassischer Schraubboden ausgeführt, wie wir es heute bei den meisten wasserdichten Uhren gewohnt sind, sondern mit kleinen Schrauben befestigt. Eine Kleinigkeit, die ich als schönes Detail empfinde.

Zugleich ist der Gehäuseboden dank Saphirglas transparent, sodass die Aikons den Blick auf das mechanische Werk freigeben. Vorteil: Das Werk ist modifiziert und dekoriert – der Anblick ist schön. Nachteil: Auf das Glas lässt sich kaum etwas gravieren.

Werk

Wo wir beim Werk sind: Maurice Lacroix bietet die Aikons in sechs Werkvarianten an. Automatische Dreizeiger, Quarz-Dreizeiger, Automatik-Chronograph und Quarz-Chronograph. Als fünfte Bonus-Variante gibt es ein skelettiertes mechanisches Dreizeigerwerk, das allerdings wie bei den Automatik-Dreizeigern ML115 heißt.

Der mechanische Chronograph trägt die Bezeichnung ML112, die Quarzwerke sind Ronda 515 und Ronda 3540. Und als letzte, dafür größte Delikatesse bietet Maurice Lacroix die Aikons noch mit dem intern entwickelten Werk ML331 an, das teilweise auf dem älteren ML234 basiert, allerdings nur bestimmte Konstruktionsmerkmale übernimmt; der Rest ist tatsächlich In‑house vom Reißbrett an.

Was sich hingegen nur als In‑house gibt, sind leider/zum Glück die Kaliber ML115 und ML112. ML112 basiert auf dem Valjoux 7750, einem recht verbreiteten und zuverlässigen Chronographen, der gebrandet und dekoriert ist.

ML115 (im getesteten Modell) ist ein auf der Sellita SW200-1 basierendes Werk, nahe verwandt mit der ETA 2824-2. Im Grunde ist ML115 nichts anderes als eine verzierte Sellita. ML setzt hier auf Veredelungen wie Perlage, Gravuren, einen eigenen Rotor mit ML-Logo und weitere Oberflächenbearbeitungen.

Das Werk ist recht standardmäßig und gilt als Einstieg ins Schweizer Uhrmacherhandwerk. Was mich allerdings leicht enttäuscht hat, ist die Qualitätsstufe bzw. Regulierung. Die Aikons haben weder COSC noch Top Grade, sondern „Elaboré“ mit einigen Top-Grade-Elementen. Kein Drama, aber bei einem Preisschild von knapp 60 Tausend hätte ich zumindest vollständiges Top Grade erwartet, wenn nicht sogar COSC.

Andererseits wird das der normale Träger vermutlich nicht thematisieren. Die angegebene Genauigkeit liegt bei –7 bis +20 s/Tag und bewegt sich meist um +5 bis +10 s/Tag – aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Ein Vorteil der verwendeten Sellita ist die einfache, günstige und schnelle Servicefähigkeit, was die Aikons zu perfekten Alltagsuhren macht.

Armband

Zwei Worte: Doppelfaltschließe. Und leider hat man sich bei der Desco von Schulthess Holding AG (Eigentümer der Marke Maurice Lacroix) nicht bei der Swatch Group inspirieren lassen – es fehlt erneut die Feinverstellung.

Formex hat sie, Christopher Ward hat sie, viele andere Marken auch, aber einige Hersteller sind schlicht unbelehrbar. Andererseits muss ich zugeben, dass die Schließe wunderschön ist, beidseitig dekoriert und vor allem wirklich solide. Um die Schließenflügel einrasten zu lassen, ist durchaus Kraft nötig, weshalb ich glaube, dass die Uhr sehr zuverlässig am Handgelenk hält und nicht abfällt. Außerdem gestehe ich, dass sich die Uhr den ganzen Tag über sehr angenehm trug – und ich bin es gewohnt, meine Uhren im Laufe des Tages auch mal um ein ganzes Loch zu verstellen.

Wahrscheinlich ist dafür das füngliedrige Armband verantwortlich, das wirklich äußerst angenehm ist – das hat mich selbst überrascht.

2 325,00 € (lieferung bis 9.12.)

Die Uhr ist für meinen Geschmack nämlich ziemlich massiv. Das Gehäuse hat 42 mm Durchmesser und 11 mm Höhe – damit zählt die Uhr eher zu den mittelgroßen bis größeren. Am Stahlarmband wiegt sie 177 Gramm, was sie zu einem mittelschweren Stück macht. Maurice Lacroix bietet daher auch Titan-Versionen der mechanischen Aikons an, sowohl beim Chronographen als auch bei den Dreizeigern.

Die Dreizeiger bringen 119 Gramm auf die Waage – für mich ein sehr tragbares Gewicht –, aber auch die Stahlvarianten waren dank des angenehmen Armbands komfortabel. Das Modell mit Lederband habe ich zwar nicht ausprobiert, aber generell gilt Leder als das nachgiebigste Material, weshalb man sich sehr wahrscheinlich auch hier um den Tragekomfort keine Sorgen machen muss.

2 273,00 € (lieferung bis 9.12.)

Erwähnenswert sind auch die Schnellwechsel-Federstege für den Wechsel des integrierten Armbands. Man muss zwar zum Original von Maurice Lacroix greifen, aber das ist der Preis für ein so angenehmes integriertes Armband. Man kann eben nicht alles haben.

Fazit

Maurice Lacroix Aikon sind super Daily-GADA-Uhren („Go Anywhere, Do Anything“). Am wohlsten fühlen sie sich als Freizeit- oder Sportuhr, schrecken aber auch vor Büro oder kleinem Theater nicht zurück. Sie haben eine sehr charakteristische Lünette und tragen sich überraschend angenehm.

Zu den Konkurrenten würde ich optisch auf jeden Fall die Tudor Royal oder die Audemars Piguet Royal Oak zählen, alternativ Epos Sportive oder Breitling Chronomat, beziehungsweise aus der günstigeren Ecke Citizen Tsuyosa und Tissot PRX.

Sie erinnerten mich zudem ein wenig an die Edox Delfin, die ich dieses Jahr rezensiert habe.

Empfehlen würde ich sie vor allem Herren, die integrierte Armbänder mögen und einen hochwertigen Schweizer wollen, den man schon aus großer Entfernung erkennt. Ich fand den Tragekomfort sehr angenehm und hatte viel Freude an ihnen, obwohl ich zunächst dachte, sie seien langweilig und ich würde keinen Absatz über sie schreiben. Würde ich sie kaufen? Nein. Aber nur, weil wir zu Hause bereits drei Uhren mit integriertem Armband haben und ich eine weitere schlicht nicht tragen würde. Hätte ich keine, kämen sie auf jeden Fall in die engere Auswahl – und der Abschied fällt mir jetzt ziemlich schwer.

Bildquellen: Hodinky 365, Maurice Lacroix, https://thewatch.ua

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