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31.1.2026 | 7 MIN
Polar‑Smartwatches haben ein großes Systemupdate bekommen. Ich habe mir angesehen, was Polar OS 5.0 tatsächlich bringt, was endlich behoben wurde und wo das System weiterhin an seine Grenzen stößt.

Seien wir ehrlich: In letzter Zeit hatte ich nicht allzu viele lobende Worte für Polar übrig. Wen wundert’s – in den vergangenen Jahren kamen im Grunde immer wieder die gleichen Uhren, nur in einem etwas anderen Gehäuse.
Als dann aber das große Update Polar OS 5 kam, konnte ich nicht widerstehen. Ich habe die Vantage V3 in Betrieb genommen und mit dem Testen begonnen.

Das erste Problem tauchte ehrlich gesagt schon beim Koppeln auf – es wollte partout nicht funktionieren. Dann habe ich mir einen neuen Account angelegt und auf mysteriöse Weise ging es plötzlich.
Dieses Update betrifft folgende Modelle:
Nun ja. Ich möchte zu Beginn nicht gleich alles schlechtreden, aber „schneller“ würde ich es nicht nennen. Oder vielleicht ist nur mein Update nicht schneller. Wer die Threads auf Reddit durchgeht, merkt: Manche haben gar keine Probleme, bei einigen ist schon das Update selbst hängen geblieben, und bei anderen wurde zwar aktualisiert, aber es gibt weiterhin viele Bugs. Ich gehöre zur letzten Gruppe.
Mein Eindruck: Man hat die Animationen verändert, die dafür den Prozessor stärker belasten – unterm Strich ruckelt es ähnlich wie zuvor. Hält man zum Beispiel die rechte mittlere Taste lange gedrückt, fängt ein roter Kreis langsam an, sich zu vergrößern. Dann erscheint eine Liste roter Kreise und schließlich tauchen in den roten Kreisen die Beschriftungen der einzelnen Sportprofile auf. Bis man also zur Sportauswahl kommt, vergehen 4 Sekunden – und das nach einem einzigen Tastendruck.
Und die Benachrichtigungsleiste? Das ist ein Reinfall. Zieht man sie per Touch herunter, ist es fast unmöglich, sie mit dem Finger wieder nach oben zu schieben. Sie bleibt einfach hängen.
Damit ich nicht nur meckere: Das Scrollen durch die Widgets wirkt tatsächlich flüssiger.
Als ich 30 Tage ausschließlich Polar‑Smartwatches getragen habe, haben mich die sich ständig wiederholenden Benachrichtigungen am meisten genervt.
Wenn ich eine Benachrichtigung nicht angezeigt habe, ploppte sie einfach in zufälligen Abständen immer wieder auf (inklusive Vibration). Im Alltag war das einfacher – tauchte sie ein zweites Mal auf, habe ich sie eben gelöscht. Während des Trainings blieb dafür aber keine Zeit. Witzig war, dass sich immer eine zufällige „festgefressen“ hat. Witziges hat in größerer Dosis jedoch die Tendenz, nervig zu werden.
Jetzt passiert es nicht mehr zwanzigmal am Tag, sondern vielleicht dreimal. Ja, ich bekomme immer noch Benachrichtigungen mit dem Hinweis „vor 17 Minuten“. Und das ärgert mich fast am meisten.
Die Uhr weiß schließlich selbst, dass die Benachrichtigung nicht gerade eben eingetroffen ist – zeigt sie mir aber so an, als wäre sie aktuell.
Also ja, danke, dass Polar nachgebessert hat. Komplett behoben ist es aber noch nicht.
Den größten Fortschritt sehe ich in der Geste zum Heraus- und Hineinzoomen der Karte. Zwei Finger aufs Display, zoomen wie am Smartphone.
Ob man von „flüssig“ sprechen kann, da bin ich erneut unsicher. Man führt die Geste aus, die Karte verschwindet für einen Moment und zoomt anschließend in vordefinierten Schritten (450 m, 250 m, 100 m, 55 m, 30 m) heraus oder hinein. Die Feinsteuerung liegt also nicht zu 100 % in der eigenen Hand.
Die Geste funktioniert eher als Impuls denn als kontinuierlicher Zoom. Wie Kollege Filip kommentierte: „Ich hatte Schlimmeres erwartet.“ Ob das am Ende ein Lob ist, bleibt offen.
Die Geste ist dennoch ein Fortschritt, über den ich mich freue. Was mich allerdings stört: ein Bug in der Karte direkt in der Sportaktivität. Man wechselt auf das Datenfeld mit Karte, drückt die rechte mittlere rote Taste – und die Uhr schaltet sich aus, und zwar jedes einzelne Mal. Also … jedes Mal.
Zum Schluss etwas Positives – Polar hat auch ein dunkles Kartenthema hinzugefügt, das die Augen ein wenig schont. Es passiert nur leider oft, dass das Display komplett abdunkelt und man dann nur noch das Polar‑Logo sieht, während die Uhr neu startet. :)
Schade ist, dass sich das Kartenthema nicht automatisch nach Sonnenauf‑/Sonnenuntergang umstellen lässt.

Verdammt, wieder kein positiver Abschluss. Also noch dies: Beim Start einer Aktivität zeigt Polar jetzt die Richtung der Route an – man muss auf dem Parkplatz nicht mehr lange überlegen, ob es links oder rechts losgeht.

Würde ich 2026 ein Update veröffentlichen, das Wecker für verschiedene Zeiten, Tage etc. erlaubt, würde ich das in den Prospekten ehrlich gesagt mit etwas Scham ganz nach unten packen – in der Hoffnung, dass es niemand merkt. Polar präsentiert es als Erstes.
Ja, es funktioniert. Aber ganz ehrlich: Das hätte schon vor 10 Jahren funktionieren müssen.

Das ist eine ähnliche Geschichte wie bei den Weckern. Ein netter Schritt, aber nichts Weltbewegendes. Ich verstehe aber, dass es eine Art Funktion ist, bei der man nicht unbedingt denkt, dass sie jemand wirklich braucht. Ich persönlich schaue nicht auf die Uhrzeit, während die Uhr auf der Ladestation liegt.

Das ist hingegen eine sehr angenehme Verbesserung. Wenn es etwas gibt, worüber ein Sportler wirklich den Überblick behalten muss, dann sind das Trainingsumfang und Erholung. Und genau diese Informationen hat Polar jetzt direkt aufs Hauptzifferblatt gezogen. Auch grafisch ist das sehr gut gelungen.

Ich habe es mir so eingerichtet, dass neben der Uhrzeit drei Datenfelder stehen. Das mittlere ist für das Grundlegende reserviert – Datum und Wochentag. Oben sitzt der Trainingsumfang: Neben der Trainingszeit sehe ich auch die grafische Aufteilung der Herzfrequenzzonen als Kreisdiagramm.
Bei Nightly Recharge, also der Regeneration des autonomen Nervensystems, deutet die Grafik nur an, wie gut man regeneriert hat. Konkrete Zahlen fehlen zwar, unterm Strich reicht das aber aus.
Meistens sah man bei Polar in einer pausierten Aktivität nur die aktuelle Herzfrequenz. Jetzt kann man „Zusammenfassung“ öffnen – beim Laufen erscheinen zum Beispiel Aktivitätszeit, Distanz, durchschnittliche und maximale Herzfrequenz, verbrannte Kalorien sowie die durchschnittliche und höchste Geschwindigkeit.
Aufmerksame Leser merken: Ich schreibe Geschwindigkeit und nicht Pace. Nein, das ist kein Versehen. Obwohl ich überall Pace (min/km) eingestellt habe, wird hier die Geschwindigkeit angezeigt. Hand aufs Herz – das interessiert keinen echten Läufer.
Und nein, es gibt keine Möglichkeit, das umzustellen.
In der App kennen wir das schon lange, jetzt hat Polar es direkt in die Uhr verlagert. Nach Beenden der Aktivität kann man die subjektive Anstrengung (RPE) auf einer Skala von 0–10 eintragen.
Ich bin ehrlich – bei mir ist diese Option überhaupt nicht aufgetaucht. Und ich habe in den Einstellungen wirklich gründlich danach gesucht.

Noch eine positive Verbesserung. In den Kurzbefehlen, also in der oberen Leiste, findet man eine Taschenlampe mit vier Stufen Weiß und einer Stufe Rot.
Einzig seltsam: Die Bedienung widerspricht den üblichen Touch‑Gewohnheiten. Ein Beispiel – im Menü zeigen Punkte rechts an, wo man sich befindet. Will man nach oben navigieren, muss man – wie am Smartphone – nach unten wischen.
Bei der Taschenlampe ist es genau umgekehrt. Will man die Helligkeit erhöhen, sind die Punkte gleich angeordnet, aber man muss nach oben wischen.
Das ist wirklich gelungen. Ist „Nicht stören“ aktiviert, leuchtet das Display beim ersten Druck nur sehr schwach. Erst nach dem zweiten Klick landet man ganz normal in der Benutzeroberfläche der Uhr.
Ich finde das sehr gelungen, weil ich mitten in der Nacht oder direkt nach dem Aufwachen keinen grellen Lichtschwall abbekomme.

Unter den kleineren Neuerungen findet sich außerdem ein wöchentlicher Trend der Blutsauerstoffsättigung. Die einzige Frage: Warum nur die Sättigung? Warum nicht auch andere Gesundheitsmetriken?
Es gibt Dinge, die notwendig waren, aber längst hätten kommen müssen. Wecker, Uhrzeit beim Laden, sich nicht ständig wiederholende Benachrichtigungen … Meiner Meinung nach hätten Polar‑Nutzer das viel früher verdient, und die finnische Marke agiert hier schlicht nicht dynamisch genug.
Zum Beispiel eine GPX‑Route direkt aus der App hinzufügen? Gibt es immer noch nicht. Benachrichtigungen zicken weiterhin, und selbst in dem, was behoben wurde, findet man reichlich Bugs.
Ich möchte aber nicht negativ enden, denn ich mag Polar als Marke. Dieses Update zeigt, dass Polar noch nicht aufgibt. Polar, veröffentlicht solche Updates öfter, testet sie etwas gründlicher – dann bin ich sicher, dass ihr eure Stärke wiederfindet.
Schon jetzt kursieren zudem Informationen, dass Polar ein großes App‑Update plant. Und ganz ehrlich – ich kann es kaum erwarten. Das allein zeigt, wie sehr ich an diese Marke glaube. Genau das könnte sie am meisten nach vorne bringen. Und vielleicht taucht endlich auch die Möglichkeit auf, eine Route direkt aus der App hochzuladen, ohne sich im Browser anmelden zu müssen.
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