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Garmin Forerunner 70 im Test – All-in, das sich wirklich jeder leisten kann

Tags: Bewertungen | Garmin | Smart

10.9.2026 | 11 MIN

Günstige Smartwatches bedeuten oft eine lange Liste an Kompromissen. Der Forerunner 70 hat auch ein paar – aber beim Wichtigsten, dem Training, hat Garmin überraschend nicht gespart.

Plastikbomber … natürlich

Außen am Forerunner 70 finden sich nur vier Metallteile – Schrauben, die Federstege, der Ladeanschluss und die Plakette mit der Seriennummer. Das war erwartbar, denn die unteren Forerunner-Reihen setzten noch nie groß auf Metall. Manche mögen bemängeln, dass ein stabileres, hochwertigeres Material fehlt; mit Stabilität geht aber meist auch mehr Gewicht einher – etwas, das besonders Straßenläufern weniger gefällt. Für uns Normalsterbliche bedeuten ein paar Gramm nichts, im Profisport entscheiden jedoch selbst Tausendstelprozente.

Im Vergleich zur Konkurrenz findet man natürlich Modelle, die auch in ähnlich günstigen Uhren Metallteile einsetzen, doch irgendetwas sagt mir, dass Garmin hier ganz bewusst auf Kunststoff setzt. Schließlich war bis vor Kurzem auch ihr bester Forerunner, der FR 955, komplett aus Plastik.

Der Forerunner 70 misst 42,6 mm im Durchmesser, ist 11,9 mm dick und wiegt 40 g.

Wenn dem ursprünglichen Forerunner 55 etwas fehlte, dann waren es Kurven. Das wurde bei der 70er-Serie korrigiert: Die Flanke des Gehäuses hat eine interessante Form, rechts prangt zudem der Schriftzug „FORERUNNER“. Die Hörner sind schärfer geschnitten – ein Stil, der seit der Fenix 8 so etwas wie Standard ist – und mich stört das überhaupt nicht: Garmin setzt sich damit gelungen ab, das hat Stil.

Zwischen den Hörnern liegt eine 20-mm-Aufnahme, in die ein Silikonarmband mit Kunststoffschließe eingesetzt ist; am Ende des durch die Schließe gefädelten Bandteils steht motivierend „RUN“. Damit das Band nicht verrutscht, gibt es zudem eine Schlaufe mit Noppe. Zur Befestigung setzt Garmin auf ein Quick-Release-System: Man zieht einfach am Schieber direkt am Band, und es löst sich im Handumdrehen.

Das Gehäuse wird von fünf Tasten gesäumt, oben liegt chemisch gehärtetes Mineralglas. Es ist nur leicht eingelassen, dennoch würde ich eine Schutzfolie oder -glas empfehlen. Mineralglas ist zwar sehr bruchfest, doch früher oder später zeigen sich darauf Kratzer.

Die Wasserdichtigkeit liegt bei erwartbaren 5 ATM – zum Schwimmen problemlos geeignet, Schnorcheln und Tauchen würde ich hingegen nicht empfehlen. Dafür ist sie schlicht nicht gebaut. Ähnlich verhält es sich mit Stößen, Vibrationen usw.: Die Uhr steckt einiges weg und zerbröselt nicht, wenn Sie sich einen Vibrationsgürtel aus dem Teleshopping umschnallen, aber sie erfüllt keinen Militärstandard, der so etwas auch garantieren würde. Bei Laufmodellen ist das üblich, daher kein Vorwurf an Garmin.

Benutzeroberfläche wie mit Butter geschmiert

Die unterste Forerunner-Unterserie war bislang die letzte, bei der Garmins Display-Strategie nicht eindeutig war. Der Forerunner 55 hatte nämlich ein MIP-Display, die 65er-Reihe wurde in den USA quasi übersprungen ... Und jetzt ist der Forerunner 70 da. Ich hatte ein wenig auf MIP gehofft, doch Garmin setzt auf ein 1,2"-AMOLED mit 390 × 390 px. Gern würde ich auch die maximale Helligkeit nennen, aber Garmin hält sich damit – fast schon traditionell – zurück.

Abseits der technischen Daten interessierte mich vor allem, wie flink die Benutzeroberfläche läuft. Wenn Garmin seit Jahren mit etwas zu kämpfen hat, dann mit der Flüssigkeit – selbst das Flaggschiff im oberen Preissegment war davon nicht ganz frei. Also fragte ich mich: Wie sieht das bei der günstigsten Smartwatch aus?

Zwei Theorien:

  1. Alles gut, weil die Uhr weniger Funktionen hat und daher „weniger zugemüllt“ ist.
  2. Ganz schlimm, weil Garmin bei diesem Modell sicher maximal gespart hat.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Scrollt man durch die Widgets direkt unter dem Zifferblatt (letzte Sportaktivität, Trainingsmetriken, Gesundheitswerte usw.), ist das wunderbar flüssig. Öffnet man jedoch das Menü mit Apps und Sportprofilen ... fühlt es sich plötzlich an, als wäre man zehn Jahre in die Vergangenheit gereist. Es ruckelt. Schlimmer noch: Kommt eine Benachrichtigung herein, beansprucht sie oben am Display ihren Platz – und die Uhr weiß kurz nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.

Ich habe die Bedienung schon angerissen – schauen wir sie uns genauer an.

Die Uhr hat einen Touchscreen: Ein Wisch nach unten zeigt Benachrichtigungen, ein Wisch nach oben führt durch die Widgets. Ein Wisch nach links öffnet das Menü mit Apps und Sportprofilen.

Jede Touch-Geste lässt sich durch die fünf Tasten ersetzen (umgekehrt nicht immer – für manches braucht man ausdrücklich eine Taste). Links sitzen drei: Oben LIGHT zum Ein- und Ausschalten der Beleuchtung. Ein langer Druck öffnet das Kontrollmenü (Nicht stören, Energiesparmodus usw.). Genau dieser Langdruck lässt sich nicht per Touch ersetzen.

Darunter UP und DOWN. Das erklärt sich von selbst. :)

Rechts gibt es zwei Tasten. Oben START öffnet Menüs und dient zugleich als Bestätigung – wo immer Sie sind, damit öffnen Sie Details. Unten BACK macht das Gegenteil und bringt Sie bequem einen Schritt zurück.

Die Sensorbestückung bringt Kompromisse – was heißt das für Sie?

Die Sensorliste des Forerunner 70 ist eine der kürzesten, die man bei Garmin findet.

Im Inneren stecken ein Beschleunigungssensor und ein GPS-Empfänger. Unterseitig sitzt der optische Sensor für Herzfrequenz und Blutsauerstoffsättigung. Vorn passt ein Umgebungslichtsensor die Helligkeit automatisch an.

Was fehlt also? Der Forerunner 70 misst weder Außentemperatur noch Hauttemperatur. Zudem erkennt er weder Schwimmstil noch einzelne Kraftübungen, weil ein Gyroskop fehlt. Etagen im Tagesverlauf und Höhenmeter in Echtzeit gibt es ebenfalls nicht – es fehlt ein Barometer.

Als der Forerunner 70 erschien, monierten einige, dass er nicht den neuesten Herzfrequenzsensor hat, sondern die vorletzte Generation Elevate 4. Aus meiner Sicht ist das völlig in Ordnung – man kann in so ein Plastikteil nicht denselben Sensor wie in eine Fenix 8 packen. Und es wäre ohnehin wenig sinnvoll, denn die fünfte Generation hat vor allem bei EKG und Hauttemperatur zugelegt – zwei Funktionen, die hier ohnehin nicht gelandet wären.

Und wie steht’s um die Qualität von GPS und Herzfrequenzsensor?

Hier ein Pulsvergleich. Es war richtig warm und ich habe stark geschwitzt. Ich sehe kein nennenswertes Problem, nur am Ende hat die Uhr kurz gezuckt.

Lila: Polar Verity Sense, Blau: Forerunner 70

Und GPS? Die Aufzeichnung ist sehr sauber – sichtbar glatter als die des Smartphones.

Lila: iPhone 13, Blau: Forerunner 70

Lila: iPhone 13, Blau: Forerunner 70

GPS ist nicht Multiband, sondern nur Multi-GNSS (GPS + Galileo + GLONASS).

Und endlich gibt’s Klarheit zur Akkulaufzeit

Laut Datenblatt hält der Forerunner 70 13 Tage durch, mit Always-On-Display bis zu 5 Tage.

Klar ist: Das variiert stark je nach Nutzer. Der größte Verbraucher ist definitiv GPS. Zur Einordnung – ein 50-minütiger Lauf zog bei mir 5 % Akku; eine Stunde im Fitnessstudio weniger als 1 %.

Viel frisst aber auch das System selbst – die größten Akkukiller sind die Herzfrequenzmessung und das Display. Wenn Sie z. B. fünfmal pro Woche laufen, landen Sie insgesamt wahrscheinlich bei etwa einer Woche Laufzeit – wohlgemerkt ohne Always-On.

Über den Verbrauch behalten Sie dank des neuen Batteriemanagers wirklich guten Überblick – mit prozentualer Aufschlüsselung und einer Zeitachse für Ent- und Aufladen.

Bei längeren Sporteinheiten kommen Sie mit aktivem GPS auf bis zu 23 Stunden; mit Empfang aller Systeme verkürzt sich das auf 16 Stunden.

Sportlich ist der Forerunner 70 deutlich vollergepackt, als ich erwartet hatte

Ehrlich gesagt hatte ich beim Funktionsumfang insgesamt etwas sehr Basales erwartet. Während der „smarte“ Becher bei Garmin fast leer blieb, ist der sportliche fast übergelaufen.

Beginnen wir mit dem, womit ich wirklich nicht gerechnet habe.

Training Readiness. Es handelt sich um eine Funktion, die durch Kombination von Gesundheits- und Sportdaten Ihre Trainingsbereitschaft auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Eine sehr beliebte Funktion, die früher eher den höheren Modellen vorbehalten war.

Trainingszustand. Es ist recht üblich, dass Smartwatches die Trainingsbelastung messen, doch den Trainingszustand hob sich Garmin stets für höhere Reihen auf. Wieder ist es eine Kombination verschiedener Metriken, deren Ergebnis eine verbale Einschätzung Ihres Trainings samt Tipps ist, woran Sie arbeiten sollten, um Fortschritte zu machen.

Liniennavigation. Oh, wie schön, dass sie es hineingeschafft hat. Wahrscheinlich sind sich alle Tester einig: Die Pfeilnavigation ist ziemlich nutzlos – im Grunde nur ein besserer Kompass, der die Distanz zum Ziel zeigt. Der Forerunner 70 hat immerhin eine Liniennavigation: Sie können vorab erstellte Routen laden, sich zurück zum Start führen lassen, die Strecke einer älteren Aktivität nachlaufen usw.

Es gibt aber ein großes ABER: Die Uhr hat keinen Kompass. Sie können sich also – um die Worte meines Kollegen Filip zu verwenden – drehen wie ein Kebab am Spieß, die Uhr weiß schlicht nicht, in welche Richtung Sie blicken.

„Sich drehen wie ein Kebab“ ist nur eine von Millionen Sprüchen, die mein Kollege Filip erfindet.

Weiter im Text ... Jetzt zu den Funktionen, die die Forerunner 70 bekommen hat. Ich hatte sie durchaus erwartet, dennoch haben sie Freude gemacht.

Erweiterte Laufmetriken. Vertikale Oszillation, Vertikalverhältnis, Bodenkontaktzeit, Kadenz, Laufleistung, auf flaches Terrain umgerechnetes Tempo ... All das – ohne zusätzliches Zubehör.

Solide Basis an Sportprofilen. Früher tat Garmin so etwas, dass man in nicht-outdoorigen Modellen keine Outdoor-Sportprofile fand. Der FR 70 hat Traillauf, Wandern, Mountainbike ... Insgesamt sind es viele – der große Umfang zeigt sich etwa an Reiten oder Offroad-Fahrzeug.

Wie viele Daten bekommen Sie aus einem Lauftraining? Nun, wirklich eine Menge.

Der Forerunner 70 wird – abgesehen von kenianischen Marathonläufern – sicher auch viele Einsteiger anziehen, und dafür gibt es gleich mehrere Funktionen, die Freude machen.

Tägliche Trainingsvorschläge. Garmin-Uhren beobachten Ihre Gesundheitsdaten, frühere Einheiten und Formveränderungen und empfehlen Ihnen für jeden Tag ein Training, das Fortschritte ermöglicht. Bereiten Sie sich auf ein konkretes Rennen vor und setzen es im Kalender als primär, werden die Vorschläge genau darauf zugeschnitten.

Trainingspläne. Ob Garmin Coach (virtueller Coach) oder ein Trainingsplan aus der Bibliothek – Garmin hilft bei der Vorbereitung auf (fast) alles. Es gibt nicht nur Laufpläne, sondern auch viele fürs Radfahren oder Schwimmen.

Und wenn Sie schon im Wettkampf sind, hilft PacePro bei der Tempoplanung – und auch bei der Strategie während des Rennens, indem wirklich jeder Kilometer im Blick bleibt.

Aus der Klassiker-Ecke gibt’s natürlich auch die Schätzung von VO2 Max, Zielzeiten für verschiedene Laufdistanzen und die Berechnung der Erholungszeit.

Garmin hat weder Gewohnheitstagebuch noch Gesundheitsstatus vergessen

Der FR 70 misst tagsüber Schritte, Kalorien und Stress, nachts den Schlaf. Sogar vor jeder Nacht erhalten Sie im Rahmen des Abendberichts eine Empfehlung, wie viele Stunden Sie schlafen sollten und wann Sie zu Bett gehen sollten. Teil dieses Berichts sind auch Infos zu Ihrem absolvierten Training, dem anstehenden Training am nächsten Tag, Ihrem Kalender für morgen usw.

Es gibt auch einen Morgenbericht: Ähnlich informativ, zusätzlich mit Schlafscore samt Details zu den Schlafphasen, Ihrer Herzfrequenzvariabilität (HRV), wie gut Sie die Body Battery (Energiebewertung von 0 bis 100) aufgeladen haben, Ihrer Training Readiness und mehr.

Garmin misst Ihre Herzfrequenz jede Sekunde – sowohl während des Sports als auch außerhalb.

Ich mag zusammenfassende Funktionen, daher freut mich, dass der Forerunner 70 den Gesundheitsstatus bekommen hat: Er bündelt alle zentralen Gesundheitsmetriken an einem Ort (Puls, Atemfrequenz, HRV, Blutsauerstoff) und prüft, ob alle Werte im normalen Bereich liegen. Wenn nicht, sieht man es auf einen Blick und muss nicht jede Metrik einzeln öffnen. Es dauert jedoch eine Weile, bis die Uhr Ihren Normalzustand gelernt hat.

Apropos Muster erkennen: Der Forerunner 70 unterstützt nun auch ein Gewohnheitstagebuch, in das Sie eintragen können, ob Sie krank waren, Alkohol getrunken, spät gegessen, vor dem Schlafen gelesen usw. Wozu das gut ist? Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich am nächsten Tag wiederholt sehr müde und wissen nicht, warum. Vielleicht hilft das Gewohnheitstagebuch – und zeigt, dass Sie am Vortag jedes Mal spät gegessen haben. Generell ist es auch ein guter Informationspool für die KI, die Sie mit dem Connect+-Abo erhalten können.

Der Forerunner 70 ist eher Sportuhr als Smartwatch

Heute sind die Grenzen zwischen Sportuhren und Smartwatches fließend, doch der Forerunner 70 tendiert für mich klar zur Sportuhr.

NFC-Zahlungen? Nein. Musikspeicher? Nein. Telefonieren? Nein. Karten? Nein.

Braucht man das? Klären wir im Fazit.

Der Forerunner 70 zeigt selbstverständlich Benachrichtigungen an; Android-Nutzer können sogar mit vordefinierten Antworten reagieren.

Einen Musikplayer hat die Uhr zwar nicht, dafür lässt sich die auf dem Smartphone laufende Musik steuern – was bei mir deutlich häufiger zum Einsatz kommt als ein eigener Musikspeicher.

Die „smarteste“ Funktion ist wohl der Taschenrechner; und wenn der nicht reicht, können Sie aus dem Connect IQ-Store zahlreiche Apps installieren. Der Speicher ist allerdings auf 512 MB begrenzt.

Klassiker wie Kalender, Wetter oder „Mein Telefon finden“ sind natürlich ebenfalls dabei ...

Wirklich praktisch ist zudem die Assistance-Funktion: Per Shortcut senden Sie eine Warn-SMS an Ihre Kontakte inklusive Standort. Dasselbe kann dank Unfallerkennung und Sturzerkennung auch automatisch passieren. Im Fall eines Sturzes haben Sie ein begrenztes Zeitfenster, um das Senden abzubrechen – in Extremsituationen kann das Leben retten. Für die Funktion ist jedoch ein Smartphone erforderlich, da die Uhr die SMS nicht eigenständig verschicken kann.

Wie ist der Forerunner 70?

Ganz ehrlich: Aus Trainingssicht bieten diese Uhr so gut wie alles, und mir gefällt, dass Garmin endlich ein bezahlbares Modell hat, das fortgeschrittene Trainingsmetriken liefert, ohne den Nutzer für Lifestyle-Schnickschnack zur Kasse zu bitten.

Kurz: eine ernstzunehmende smarte Sportuhr mit nur einem Ziel – Sie im Training voranzubringen.

Das ist mir äußerst sympathisch.

Ich hätte nicht erwartet, dass die Sportfunktionen bei diesem Modell so umfangreich sind – Garmin hat mich sehr positiv überrascht.

Hat er auch Sie überrascht? Schreiben Sie mir Ihre Meinung in die Kommentare!

Bildquellen:

  • offizielle Garmin-Fotos